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Verfasser: FU Bamberg-Land
Datum: 17.03.2016, 10:52 Uhr

Gender Pay Gap bleibt Herausforderung – Verdienstlücke bei 21 Prozent

Frauen verdienen nach wie vor im Durchschnitt schlechter als Männer. Dies wirkt sich auch auf die Rente aus und führt zu einem für Frauen erhöhten Risiko der Altersarmut

Die Herausforderung, in Deutschland die Entgeltlücke für Frauen zu schließen, ist weiterhin nicht bewältigt. Die Debatte über die Lösung des Problems muss zielführender gestaltet werden, wenn wir auf Dauer zufriedenstellende Ergebnisse erreichen wollen.
Das gilt auch für die von Bundesministerin Manuela Schwesig vorgestellte Gesetzesinitiative. Zuviel zusätzliche Bürokratie, die vor allem zusätzliche Kosten verursacht. Das bringt in der Sache für die Frauen zu wenig, belastet aber die Unternehmen und lässt kaum Gestaltungsraum für Arbeitgeber, die eigene Methoden für eine Beseitigung der Gerechtigkeitslücke entwickelt haben.
Verdienstlücke der Frauen hat viele Gründe
Zweifellos ist die volkswirtschaftliche Perspektive auf die Einkommenssituationen der Frauen weiterhin ernüchternd. Nach Berechnungen des Statischen Bundesamtes bemisst sich die sogenannte ‚unbereinigte‘ Entgeltlücke auf 21 Prozent. Dieser Einkommensunterschied, der pauschal ohne Berücksichtigung von branchen- und unternehmensbezogenen Merkmalen errechnet wird, begründet sich in den zum Teil schlechteren Zugangs- und Aufstiegschancen für Frauen in bestimmten Berufsfeldern. Außerdem ist es vielfach so, dass Frauen aufgrund der Doppelbelastung Familie und Beruf sich entscheiden, ihre Karriere in Teilzeit fortzusetzen. Die geringeren Verdienstaussichten können sich dann auch auf die Rente auswirken und zu einem für Frauen erhöhten Risiko der Altersarmut führen.
Soziale Berufe besonders oft schlechter bezahlt
Ein nicht unerheblicher Faktor ist allerdings auch die Berufswahl: Gerade Berufe im sozialen Bereich, die weit überwiegend von Frauen ausgeübt werden, sind oft schlechter bezahlt als vermeintlich typische Männerberufe. Einen dramatischen Beleg dafür liefert die aktuelle DIW-Studie, wonach in typischen Frauenberufen 2014 durchschnittlich zwölf Euro pro Stunde verdient wurden, während der Stundenverdienst in typischen Männerberufen 20 Euro betrug, eine Differenz von fast 40 Prozent. Studien belegen aber auch: Je höher der Bedarf nach Fachkräften ist, desto mehr Chancen haben Frauen auf gerechte Bezahlung. Frauen profitieren somit davon, sich möglichst breit bei der Berufswahl aufzustellen und auch Karrieren in den naturwissenschaftlich-technischen Branchen zu verfolgen.
Für FU-Landesvorsitzende Angelika Niebler bedeutet dies aber kein Aufruf an Frauen, sich von Karrieren in sozialen Berufen abzuwenden: „Angesichts des demografischen Wandels sind gerade soziale Berufe unverzichtbar. Die hier tätigen Menschen, mehrheitlich eben Frauen, leisten einen sehr wertvollen Beitrag für unsere Gesellschaft. Deshalb brauchen wir hier mehr Wertschätzung der pflegerischen Berufe, die den sozialen Kitt in unserer Gesellschaft sicherstellen. Diese Wertschätzung muss sich auch im Gehalt widerspiegeln.“

Mehr Einkommenstransparenz in den Unternehmen
Um die konkreten Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern in vergleichbaren Stellen, vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeitsmerkmalen und Erwerbsbiografien – also die sogenannte ‚bereinigte‘ Entgeltlücke, zu beheben, liegen eine Reihe von Vorschlägen auf dem Tisch. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegt hier die Lücke zwischen 5 und 7 Prozent. Das ist zwar ein deutlich geringerer Wert als die „unbereinigte“ Entgeltlücke, ist aber ebenso wenig hinnehmbar. Hier sind konkrete Maßnahmen für mehr Einkommenstransparenz vonnöten. Tarifgebundene Arbeitsverhältnisse sind ein wirkungsvolles Instrument für Transparenz. Außerdem sollten – wo noch nicht geschehen – in den Unternehmen Lohnanalyseverfahren angewendet werden. Generell sollten bereits vorhandene Maßnahmen zur Transparenz in Unternehmen und freiwillige Maßnahmen hier bestärkt und nicht durch gesetzliche Schritte unnötig eingeschränkt werden.

Rückfragen: Bitte unter presse@angelika-niebler.de

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